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Granatapfel und Feigen: Zyperns Herbstfrüchte

Sobald die Augusthitze nachlässt, verändert sich das Bild auf Zyperns Marktständen. Wassermelonen und Pfirsiche verschwinden langsam aus den Kisten, und an ihre Stelle treten violett-grüne Feigen und die ersten dunkelroten Granatäpfel. Für viele auf der Insel ist das ein vertrautes Zeichen: Der Herbst beginnt nicht mit fallendem Laub, sondern mit diesen beiden Früchten.

Granatapfel und Feige sind die beiden prägendsten Herbstfrüchte der Insel, und sie gehören zugleich zu den ältesten Kulturpflanzen Zyperns. Beide werden seit der Antike auf der Insel angebaut, beide haben einen festen Platz in der zypriotischen Küche, und beide sind eng mit bestimmten Dörfern und Traditionen verbunden. Wer im September oder Oktober über die Insel reist, begegnet ihnen praktisch überall: auf Märkten, an Strassenständen, in Gärten und, an einem bestimmten Ort der Insel, sogar auf einem eigenen Dorffest.

Wann Granatapfel und Feigen auf Zypern Saison haben

Die Feigensaison auf Zypern beginnt bereits im Juli und zieht sich bis in den Oktober hinein, mit ihrem Höhepunkt im September. Zuerst reifen grüne Sorten, später folgen die dunkel-violetten. Gegen Ende der Saison tauchen zunehmend getrocknete Feigen auf den Marktständen auf, die dann bis weit in den Winter hinein erhältlich sind.

Beim Granatapfel ist die Sache etwas weniger eindeutig. Übereinstimmend berichten die Quellen, dass die Saison im Spätsommer oder Frühherbst beginnt und sich bis in den Winter zieht. Wie lange genau, dazu gibt es unterschiedliche Angaben: Manche Quellen nennen November als Ende der Hauptsaison, andere sprechen von Dezember oder sogar Februar, abhängig von Sorte und Lagerung. [PRÜFEN] Ein exaktes, unabhängig bestätigtes Saisonende lässt sich derzeit nicht belegen. Sicher ist: Rund um Ende September, wenn im Dorf Ormidia das grosse Granatapfelfest stattfindet, ist die Frucht bereits verbreitet auf den Märkten zu finden, auch wenn einzelne spätreifende Sorten erst im Oktober ihren Höhepunkt erreichen.

Praktisch heisst das für dich: Diese beiden Herbstfrüchte bekommst du von September bis in den November hinein frisch, Feigen etwas früher in der Saison, Granatapfel etwas länger darüber hinaus. Einen vollständigen Überblick über das, was in diesen Monaten sonst noch auf den Märkten der Insel wächst, findest du im Saisonkalender Zypern.

Feigen auf Zypern: Sorten und Herkunft

Auf Zypern wachsen mehrere unterschiedliche Feigensorten, die sich in Farbe, Grösse und Verwendung unterscheiden. Es gibt aubergine-farbene Vazanata-Feigen, grosse süsse, weisse Tillyrisima-Feigen aus der Region Tillyria sowie birnenförmige Vartikon-Feigen, die als besonders geschmackvoll gelten. Daneben existieren kleinere grüne Sorten und Feigen mit bräunlicher Streifung.

Besonders bekannt ist Zypern für seine getrockneten Feigen. In der Region Tillyria im Nordwesten der Insel, in den Dörfern rund um Pomos und Kato Pyrgos, wird seit Generationen eine lokale Feigensorte namens Koutsino zu den sogenannten «Syka Tillyrias» verarbeitet: kleine, weisse, weiche Feigen mit süssem Geschmack. Die Herstellung ist aufwendig und traditionell überliefert: Die Feigen werden überreif geerntet, in speziellen Räumen mit Schwefel geräuchert, sieben bis zehn Tage in der Sonne getrocknet, kurz in kochendes Wasser getaucht und erneut getrocknet. Die offizielle Publikation «Gastronomy in Cyprus» des zypriotischen Department of Agriculture bestätigt diese Tradition und ordnet die Produktion in die Monate Juli bis September ein.

Eine zweite, ebenfalls traditionelle Trockenfeigenspezialität stammt aus der Region Paphos: die «Maxilles» aus dem Dorf Lysos. Der Name geht auf das lateinische Wort für die noch unreife Feige zurück. Für die Herstellung werden die Feigen am Baum mit etwas Olivenöl am Fruchtansatz behandelt, was die Reifung beschleunigt. Nach einigen Tagen werden sie halbiert, in der Sonne getrocknet und kurz in heissem Wasser mit Fenchel gezogen, bevor sie erneut trocknen. Laut derselben offiziellen Publikation sind sie «eine winterliche Süssigkeit für die Menschen von Lysos»; die zeitungsnahe Berichterstattung aus Lysos ordnet die eigentliche Trocknung dagegen in die Wochen um Ende August ein, wenn die frisch geernteten Feigen verarbeitet werden. Als besonders süss und schmackhaft gelten dabei die getrockneten Feigen aus Lysos und dem benachbarten Arodes.

Frische Feigen isst man auf Zypern meist pur, oft zum Frühstück mit Brot und Anari, dem milden Frischkäse aus Molke. Aus Feigen wird zudem Konfitüre hergestellt, und aus getrockneten Feigen backt man Sykopitta, eine gefüllte Feigenpastete, deren Herkunft bis in die byzantinische Zeit zurückreicht.

Reife grüne und dunkelviolette Feigen hängen an einem Feigenbaum auf Zypern im September
Von Juli bis Oktober reifen auf Zypern zuerst grüne, dann dunkel-violette Feigen.

Granatapfel auf Zypern: Verbreitung und die Bedeutung von Ormidia

Der Granatapfel zählt neben Olive und Feige zu den ältesten Kulturpflanzen der Insel. Auf Zypern trägt er den Namen «Rodi», die einzelnen Kerne heissen «Papoures». Historisch wurde der Saft reifer Granatäpfel im Sommer sogar als Ersatz für Zitronensaft verwendet, wenn Zitronen knapp waren.

Kein Ort der Insel ist enger mit dem Granatapfel verbunden als Ormidia, ein Dorf an der Südostküste im Bezirk Larnaka. Ormidia gilt wegen seiner grossen Granatapfel-Erträge und -Anpflanzungen als «das Granatapfeldorf» Zyperns. Seit über zwei Jahrzehnten findet dort jährlich das Panzypriotische Granatapfelfest statt, organisiert von der Gemeinde Ormidia gemeinsam mit dem örtlichen Kulturverein «To Rodi» und unter der Schirmherrschaft des zypriotischen Landwirtschaftsministeriums. [PRÜFEN] Für 2026 wird der Termin mit dem 19. September angegeben; da sich das genaue Datum solcher Dorffeste von Jahr zu Jahr leicht verschieben kann, lohnt sich vor einem Besuch ein Blick in die aktuelle Veranstaltungsankündigung. Auf dem Fest werden Granatapfelprodukte wie Sirup, Likör, Loukoumi, Marmelade, Palouze und Soutzoukos verkostet und verkauft, dazu gibt es traditionelle Musik und Tanz.

Der Granatapfel ist auf Zypern seit jeher mehr als nur eine Frucht. Er gilt als Symbol für Fruchtbarkeit, Wohlstand und ein glückliches neues Jahr, ähnlich wie in weiten Teilen des östlichen Mittelmeerraums. Bei Hochzeiten wurde traditionell ein Granatapfel vor der Tür des Brautpaars zerworfen, in der Region Paphos bestrich man die Lippen von Neugeborenen mit einer Mischung aus Granatapfelsaft, Honig und Zucker. In der Mythologie wird die Einführung des Baumes auf Zypern mitunter Aphrodite zugeschrieben, deren Kult eng mit der Insel verbunden ist.

Ein aufgeschnittener reifer Granatapfel zeigt seine dunkelroten Kerne, im Hintergrund weitere ganze Granatäpfel
Der Granatapfel, auf Zypern Rodi genannt, gehört zu den ältesten Früchten der Insel.

Granatapfel und Feigen in der zypriotischen Küche

In der Küche ergänzen sich beide Früchte gut, werden aber unterschiedlich eingesetzt. Granatapfelkerne kommen vor allem roh zum Einsatz: über Salate gestreut, zusammen mit Rucola, Grapefruit und gegrilltem Halloumi, oder als Deko auf herzhaften und süssen Gerichten. Der Saft wird zu erfrischenden Getränken verarbeitet, gelegentlich auch zu Sirup eingekocht. In der traditionellen Küche finden sich die Kerne zudem in Kollyva, dem mit Weizenkörnern zubereiteten Gedenkgericht der griechisch-orthodoxen Kirche.

Feigen werden auf Zypern sowohl frisch als auch getrocknet gegessen. Frisch passen sie, in Hälften geschnitten, gut zu gegrilltem Halloumi und einem Faden Honig. Getrocknet dienen sie als Süssigkeit für sich, häufig zusammen mit Walnüssen gereicht. Genau diese Kombination, getrocknete Feigen und Walnüsse, gilt in manchen Regionen der Insel als klassisches Meze zu einem Glas Zivania. Mehr zu diesem traditionellen zypriotischen Tresterbrand liest du im Artikel über Zivania.

Wer beide Früchte zusammen in der Küche verwenden möchte, findet fertige Ideen im Artikel Herbstliche Genüsse aus Zypern, unter anderem einen Granatapfel-Salat mit Halloumi und ein Rezept für Feigen mit Halloumi und Honig. Einen breiteren Überblick über die Grundlagen der Küche der Insel bietet der Artikel zur traditionellen zyprischen Küche.

Frische Früchte kaufen: Märkte, Reifezeichen und besondere Orte

Am zuverlässigsten findest du Granatapfel und Feigen auf den Wochenmärkten und Markthallen der Insel. In Nikosia ist das der Ochi-Markt, der jeden Mittwoch auf einer der venezianischen Bastionen der Altstadt stattfindet. In Larnaka bietet der neue Municipal Market an sechs Tagen die Woche Frischware und lokale Produkte an, in Limassol ist der frühere Obst- und Gemüsemarkt heute eine Food-Hall. Der Markt in der Altstadt von Paphos richtet sich stärker an Besucher als an den Alltagseinkauf. Komm nach Möglichkeit am Vormittag, wenn die Auswahl an frischer Ware noch vollständig ist, und hab etwas Bargeld dabei, auch wenn viele Stände inzwischen Kartenzahlung anbieten. Einen vollständigen Überblick über Wochenmärkte, Markthallen und Bauernmärkte auf der ganzen Insel liefert der Artikel Märkte auf Zypern.

Reife Feigen erkennst du daran, dass sie leicht nachgeben, wenn du sie sanft drückst, und an der Stelle, an der sie am Zweig hingen, oft einen kleinen Tropfen austreten lassen. Sie sind empfindlich und halten sich nur wenige Tage, deshalb lohnt sich der Kauf in kleinen Mengen, dafür öfter. Frag ruhig direkt an den Ständen nach, welche Sorte gerade reif ist, gerade bei Feigen unterscheiden sich Geschmack und Reifegrad von Sorte zu Sorte deutlich. Granatäpfel sind robuster: Ein schwerer, fester Granatapfel mit glatter, glänzender Schale ist meist ein gutes Zeichen, und ganze Früchte halten sich, kühl gelagert, mehrere Wochen.

Kisten mit Granatäpfeln und Feigen nebeneinander auf einem Marktstand auf Zypern im Herbst
Auf den Wochenmärkten der Insel liegen Granatapfel und Feige im Herbst meist Seite an Seite.

Wenn dein Aufenthalt zeitlich passt, lohnt sich ein Abstecher nach Ormidia zum Granatapfelfest, meist im September. Für Feigenliebhaber sind die Dörfer der Region Paphos, insbesondere Lysos und Arodes, sowie die Küstenregion Tillyria im Nordwesten interessant, wo die traditionelle Trockenfigenherstellung noch praktiziert wird, auch wenn dort keine grossen touristischen Attraktionen auf dich warten, sondern eher stille, landwirtschaftlich geprägte Dörfer. Für den spontanen Genuss unterwegs reicht es meist, einfach den nächstgelegenen Wochenmarkt anzusteuern: Beide Früchte gehören im Herbst praktisch überall auf der Insel zum Standardangebot.

Zwei Früchte, ein zypriotischer Herbst

Granatapfel und Feige zeigen, wie eng Saison, Landschaft und Tradition auf Zypern miteinander verbunden sind. Die eine Frucht bringt ein ganzes Dorf jedes Jahr auf die Beine, die andere wird in abgelegenen Bergdörfern noch genauso getrocknet wie vor Generationen. Wer im September oder Oktober über die Insel reist, muss dafür nicht extra suchen: Auf dem nächsten Marktstand liegen beide Früchte meist schon bereit.

Mehr zum zypriotischen Herbst insgesamt, von der Weinlese bis zu den traditionellen Dorffesten, findest du im Artikel Der goldene Herbst auf Zypern.

Urs Schlegel
Urs Schlegelhttps://genussfinder.com
Urs Schlegel ist Gründer von GenussFinder.com, dem Online-Magazin für Genuss, Lebensart und besondere Entdeckungen auf Zypern. Seit mehreren Jahren lebt er auf der Insel und verbindet persönliche Erfahrungen, kulinarische Entdeckungen und lokale Geschichten zu authentischen Einblicken in das Leben auf Zypern. Als Unternehmer und Digitalstratege unterstützt Urs mit seiner Firma WebStrategen Digital Services Ltd kleine und mittlere Unternehmen dabei, Websites, Zoho One, CRM-Systeme und Automatisierungen sinnvoll miteinander zu verbinden. Sein Ziel ist es, digitale Lösungen verständlich, bezahlbar und praxisnah nutzbar zu machen. In seiner Freizeit kocht Urs mit Leidenschaft mediterrane Gerichte und traditionelle Schweizerküche. Genau diese Verbindung aus Genuss, Alltagserfahrung und digitalem Blick prägt auch seine Beiträge auf GenussFinder.com.

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