Man braucht zum Schnorcheln auf Zypern weder Tauchschein noch viel Erfahrung, um unter Wasser etwas zu entdecken. Maske, Schnorchel, ein paar Schritte ins klare Wasser – mit etwas Glück lassen sich bereits wenige Meter vom Ufer entfernt erste Fische zwischen den Felsen beobachten. Die Insel hat mehrere Buchten, in denen genau das ohne grossen Aufwand möglich ist, auch mit Kindern im Schlepptau. Dieser Überblick zeigt, welche Spots sich für Einsteiger und Familien grundsätzlich eignen und worauf man dabei achten sollte.
Warum Zypern ein gutes Schnorchel-Ziel ist
Das Wasser rund um Zypern ist über weite Strecken des Jahres warm und vergleichsweise klar. Ab Juni liegen die Wassertemperaturen meist über 22 Grad und steigen im Hochsommer auf bis zu 27 Grad, im Oktober kühlt das Meer im Schnitt auf rund 25 Grad ab. Dazu kommt: Viele Buchten sind flach und felsig eingefasst, was insgesamt gute Sichtbedingungen unter Wasser begünstigt.
Wer schnorcheln will, muss dafür nicht zwingend aufs Boot. An mehreren Küstenabschnitten reicht der Weg vom Strandtuch bis zu Fels und Fisch nur wenige Meter. Genau diese Buchten stehen im Mittelpunkt dieses Artikels, nicht die Tauchplätze mit Wracks und tieferen Riffen, die eher etwas für Taucher mit Ausrüstung sind.
Der Südosten: Konnos Bay und Fig Tree Bay bei Protaras
Der Südosten Zyperns, rund um Protaras und Ayia Napa, gilt als eine der schnorchelfreundlichsten Regionen der Insel. Zwei Buchten stechen dabei besonders heraus.
Konnos Bay liegt im Cape-Greco-Nationalpark, zwischen Pinienhügeln eingebettet. Der zentrale Badebereich fällt vergleichsweise sanft ab. Für Schnorchler sind vor allem die felsigen Randbereiche interessant, an denen sich häufiger Fische beobachten lassen als über reinem Sandboden. Durch ihre geschützte Lage ist die Bucht häufig ruhiger als offenere Küstenabschnitte, geeignet für jedes Wetter ist sie deshalb aber nicht automatisch: Wind- und Wellenbedingungen sollten am jeweiligen Tag vor Ort geprüft werden.

Fig Tree Bay liegt direkt in Protaras und hat einen goldenen Sandstrand. Vor der Küste liegt eine kleine Insel, die nahe genug erscheint, um sie schwimmend zu erreichen. Sie sollte aber nur von sicheren Schwimmern und bei ruhigen Bedingungen angesteuert werden, Kinder gehören dabei jederzeit in unmittelbare Begleitung. Rund um die Felsen an den Buchträndern lassen sich häufig kleinere Fische beobachten. Da Fig Tree Bay ein belebter Strandabschnitt mit Bootsverkehr und Wassersportangeboten ist, lohnt sich ein Blick auf ausgewiesene Schwimmzonen, bevor man weiter hinausschwimmt.
Das weitere Gebiet rund um Cape Greco ist vor allem für seine Sea Caves bekannt. Diese sind kein geeigneter Schnorchelplatz für Anfänger oder kleine Kinder: Je nach Wind und Wellengang können Strömungen, scharfkantige Felsen und schwierige Ein- oder Ausstiege dort gefährlich werden. Die Rettungsleitstelle (Joint Rescue Coordination Centre) musste dort wiederholt Personen bergen, die von den Klippen in die Höhlen gesprungen waren, und bezeichnet solche Sprünge wegen der fortschreitenden Erosion der Felsen ausdrücklich als verboten. Schwimmen ist von den markierten Wegen aus deutlich sicherer als direkt unterhalb der Höhlen, wo sich die Bedingungen rasch ändern können. Sperrungen, Warnschilder und Anweisungen vor Ort müssen unbedingt beachtet werden. Für Familien bleiben Konnos Bay und Fig Tree Bay die deutlich ruhigere Wahl. Mehr zu Wanderwegen und weiteren Ausflugszielen rund um Cape Greco findest du im ausführlichen Protaras-Regionsguide, offizielle Hintergrundinformationen zum Nationalpark bietet die Seite des zyprischen Fremdenverkehrsamts zum Cape Gkreko National Forest Park.
Der Süden: Governor’s Beach, Pissouri Bay und Amathus
An der Südküste liegen gleich mehrere ruhigere Schnorchelspots, die touristisch weniger überlaufen sind als der Südosten. Governor’s Beach lässt sich sowohl von Larnaka als auch von Limassol gut erreichen, für Pissouri Bay und Amathus ist Limassol der deutlich praktischere Ausgangspunkt.
Governor’s Beach ist vor allem für seine markanten weissen Kreidefelsen bekannt. Der eigentliche Schnorchelspot heisst White Rocks, ein Seitenabschnitt des Hauptstrands. Zwischen den Felsen lassen sich mit etwas Glück verschiedene Fische und andere Meeresbewohner beobachten, Begegnungen mit grösseren Tieren sind möglich, aber nicht planbar. Der Einstieg erfolgt über Fels statt Sand, festes Schuhwerk für den Zugang lohnt sich deshalb. Am besten direkt bei White Rocks parken, der Fussweg von Governor’s Beach aus ist vergleichsweise weit.

Pissouri Bay bietet einen einfacheren Einstieg: Schon wenige Meter vom Sandstrand entfernt beginnt flaches Wasser, in dem sich Meeresleben beobachten lässt, was die Bucht grundsätzlich auch für weniger geübte Schwimmer zugänglich macht.
Amathus Beach bei Limassol hat ebenfalls flaches Wasser und eignet sich dadurch grundsätzlich auch für kleinere Kinder, die zum ersten Mal eine Maske ausprobieren. Wie überall gilt aber auch hier, die Bedingungen vor dem Ins-Wasser-Gehen selbst einzuschätzen.
Der Westen: Coral Bay und Lara Bay
An der Westküste unterscheiden sich die Bedingungen je nach Bucht deutlich.
Coral Bay bei Paphos ist eine halbmondförmige, gut ausgestattete Bucht mit ruhigem, flachem Wasser. Sie zählt zu den grundsätzlich kinderfreundlicheren Stränden der Region, wird aber auch von Wassersportlern für Jetski und Parasailing genutzt. Wer in Ruhe schnorcheln möchte, kommt am besten am Vormittag, bevor der Betrieb auf dem Wasser zunimmt. Mehr zu Paphos und der Umgebung liest du im Beitrag Paphos: Traumziel im Land der Aphrodite.

Lara Bay auf der Akamas-Halbinsel ist kein klassischer Schnorchelspot für Einsteiger. Der abgelegene Strand gehört zu einem besonders sensiblen Meeresschildkröten-Nistgebiet, der Lara-Toxeftra-Schutzzone: Von Juni bis September ist es dort verboten, Sonnenschirme, Liegen oder Zelte aufzustellen, nachts am Strand zu bleiben, mit Fahrzeugen zu fahren oder mit dem Boot zu ankern. Schutzvorgaben, Absperrungen und Hinweise vor Ort müssen unbedingt beachtet werden, der Naturschutz hat hier eindeutig Vorrang vor Freizeitaktivitäten. Die Zufahrt führt zudem teilweise über unbefestigte Strecken. Vor der Fahrt sollte geprüft werden, ob der Mietwagenvertrag solche Strassen erlaubt und ob der Versicherungsschutz dort gilt. Mehr zu den Schildkröten und den Verhaltensregeln im Nistgebiet liest du im Beitrag Zyperns Meeresschildkröten, offizielle Hintergrundinformationen zum Schutzgebiet bietet der Eintrag des Lara-Toxeftra-Schildkrötenschutzgebiets in der SPAMI-Liste.
Ausrüstung und Sicherheit: Was Einsteiger und Familien wissen sollten
Für die meisten der genannten Buchten reicht eine einfache Grundausstattung: eine gut sitzende Maske, Schnorchel und Flossen. Bei felsigen Einstiegen wie White Rocks oder den Randbereichen von Konnos Bay sind zusätzlich Badeschuhe sinnvoll, dazu ein UV-Shirt oder ein anderer geeigneter Sonnenschutz sowie genügend Trinkwasser, da an vielen der ruhigeren Buchten kaum Infrastruktur vorhanden ist. Wer keine eigene Ausrüstung mitbringt, findet an den grösseren Touristenstränden Verleihstationen, die teils auch Kindergrössen anbieten. Verfügbarkeit und Preise unterscheiden sich je nach Anbieter und Saison, am besten prüfst du das Angebot direkt bei der jeweiligen Station.
Ein paar einfache Regeln erhöhen die Sicherheit spürbar. Nie allein schnorcheln, sondern immer mit Begleitung in Sichtweite, Kinder gehören dabei jederzeit in unmittelbare Nähe eines Erwachsenen. Schwimmflügel oder ähnliche Schwimmhilfen ersetzen dabei keine tatsächliche Schwimmfähigkeit. Vor dem Einstieg die Bedingungen prüfen: Wellen, Wind und sichtbare Strömung entscheiden, ob eine Bucht an diesem Tag geeignet ist. Warnschilder und Sperrungen, etwa rund um die Sea Caves von Cape Greco, sind unbedingt zu beachten, unabhängig davon, wie ruhig das Wasser gerade aussieht. An Stränden mit Bootsverkehr oder Wassersportzonen lohnt sich ausreichend Abstand zu den entsprechenden Bereichen, bei stärkerem Bootsverkehr kann eine gut sichtbare Schnorchelboje zusätzlich Sicherheit geben. Meerestiere werden weder berührt noch gefüttert oder verfolgt, das gilt besonders in sensiblen Schutzgebieten wie rund um Lara Bay.
Die beste Reisezeit zum Schnorcheln auf Zypern
Die Hauptsaison zum Schnorcheln auf Zypern reicht von Mai bis Oktober. Im Mai liegt die Wassertemperatur im Schnitt bei rund 21 Grad, was für die meisten noch etwas frisch ist. Ab Juni klettert sie meist über 22 Grad und erreicht im Hochsommer bis zu 27 Grad. Im September und Oktober bleibt das Wasser mit rund 25 Grad angenehm warm, während die Luft schon etwas milder wird. Wer Buchten wie Konnos Bay oder Fig Tree Bay ruhiger erleben möchte, kommt in den Vor- oder Nachsaisonmonaten Mai, Juni, September und Oktober in der Regel besser weg als mitten im touristischen Hochsommer.
Wer nach dem Schnorcheln auch einmal mit Boot und Ausrüstung unterwegs sein möchte, findet weitere Optionen im Beitrag Bootstouren und Wassersport auf Zypern. Für alle, die tiefer und mit Flasche tauchen möchten, ist ein eigener Tauchartikel bereits in Vorbereitung und wird nach seiner Veröffentlichung hier ergänzt.






