Top 5 dieser Woche

Verwandte Beiträge

Xylofagou: Fischerhafen und rote Erde in den Kokkinochoria

Xylofagou ist auf den ersten Blick ein grosses, unauffälliges Dorf mitten in den Kokkinochoria, den roten Erdregionen im Südosten Zyperns. Auf den zweiten Blick reicht das Dorf bis an die Küste: Dort liegt ein kleiner Fishing Shelter mit Platz für rund zehn Boote. Xylofagou ist damit weder eine grosse Hafenstadt noch ein klassisches Fischerdorf, sondern etwas, das man auf Zypern seltener findet: ein Agrardorf mit einem eigenen, kleinen Zugang zum Meer, dazu ein venezianischer Wachtturm, prähistorische Elefantenfunde und eine Kartoffelstatue, an der niemand vorbeifährt, ohne sie zu bemerken.

Kokkinochoria: Das rote Agrarland im Südosten Zyperns

Kokkinochoria bedeutet wörtlich „rote Dörfer“ und beschreibt, was auffällt, sobald man von der Küste ins Landesinnere fährt: charakteristische rote Erde, auf der Kartoffeln, Artischocken, Zitrusfrüchte und weiteres Gemüse wachsen. Zu den Kokkinochoria werden unter anderem Xylofagou, Liopetri, Frenaros, Sotira, Avgorou, Ormidia und Deryneia gezählt, die Region reicht bis an den Rand der bekannteren Ferienorte Ayia Napa und Protaras heran.

Wer die Geschichte der Kartoffel auf Zypern genauer wissen möchte, ihre Sorten, die Erntezeit und Rezepte, findet das im ausführlichen Artikel Zypriotische Kartoffeln: Vergnügen aus den roten Erdregionen. Dieser Artikel hier nimmt eine andere Abzweigung: die Landschaft, die Küste und die Geschichte rund um Xylofagou selbst.

Xylofagou: Dorf der Kokkinochoria mit einem kleinen Fishing Shelter

Xylofagou liegt im Bezirk Larnaka, an der Strasse zwischen Larnaka-Stadt und der Ferienregion Ayia Napa/Protaras, nicht weit von der britischen Militärbasis Dhekelia entfernt. Mit mehreren tausend Einwohnern ist es eines der grösseren Dörfer der Kokkinochoria, geprägt von Landwirtschaft, nicht von Fischerei.

Hände beim Ausbessern eines Fischernetzes am Kai des Fishing Shelter Xylofagou, symbolische Darstellung
Lokale Fischerei ist Teil des Ortsbilds, aber nicht die einzige Identität Xylofagous

Am Ortsrand, direkt am Meer, liegt trotzdem ein kleiner, aktiver Fishing Shelter: rund zehn Liegeplätze, traditionelle Holzboote neben moderneren Motorbooten, ohne grosse touristische Infrastruktur. Das unterscheidet Xylofagou von einem anderen bekannten Ort in den Kokkinochoria, dem Fluss von Liopetri mit seinem Bootskanal, der eine eigene, andere Atmosphäre hat und in einem eigenen, geplanten GenussFinder-Artikel vorgestellt wird. Xylofagou ist offene Küste mit einem kleinen Schutzhafen, Liopetri ist Flussmündung. Beide gehören zu den Kokkinochoria, beide haben eine Fischereitradition, aber es lohnt sich, sie als zwei unterschiedliche, unterschiedlich grosse Ausflugsziele zu betrachten.

Essen in und um Xylofagou

Im Dorf Xylofagou gibt es reguläre Restaurants, offiziell auf dem Tourismusportal Visit Cyprus gelistet ist etwa Megaro To. Ob es sich dabei um ein Fischrestaurant handelt, welche Spezialitäten es führt und wann es geöffnet hat, hat GenussFinder redaktionell noch nicht selbst geprüft. Für Restaurants direkt am Fishing Shelter liegt GenussFinder derzeit noch keine unabhängig geprüfte Auswahl mit verlässlichen Angaben zu Küche und Öffnungszeiten vor. Eine konkrete GenussFinder-Empfehlung für Xylofagou folgt deshalb erst nach einem eigenen Besuch vor Ort.

Wer schon jetzt eine geprüfte Adresse für zypriotische Fischküche in der Nähe sucht, findet sie im nahen Larnaka in der Psarolimano Fischrestaurant am Hafen, oder allgemein in der Übersicht Essen mit Meerblick auf Zypern.

Geschichte am Wegesrand: Zwergelefanten, ein Wachtturm und eine Höhlenlegende

Xylofagou hat mehr zu bieten als Boote und Kartoffelfelder. In der Umgebung des Dorfs wurden Fossilien einer eigenständigen, endemischen Zwergelefanten-Art gefunden, Palaeoloxodon xylophagou, wissenschaftlich beschrieben 2015 und rund 200.000 Jahre alt, aus dem Mittelpleistozän.

Runder venezianischer Wachtturm Pyrgos tis Rigenas auf erhöhtem Gelände bei Xylofagou
Der venezianische Wachtturm Pyrgos tis Rigenas ausserhalb von Xylofagou

Rund drei Kilometer ausserhalb von Xylofagou steht auf erhöhtem Gelände der Wachtturm Pyrgos tis Rigenas, mit seiner charakteristischen runden Bauform. Er diente ursprünglich der Küstenüberwachung und wurde im Zweiten Weltkrieg erneut militärisch genutzt, diesmal von britischen Streitkräften.

Südwestlich des Dorfs liegt zudem eine Höhle, die im Volksmund Agioi Saranta, die Vierzig Heiligen, genannt wird. Der Überlieferung nach sollen sich dort einst vierzig Märtyrer versteckt haben, und gefundene Knochen wurden lange als deren Reliquien verehrt. Später stellte sich heraus, dass es sich unter anderem um fossile Überreste von Zwergnilpferden und Zwergelefanten aus dem Pleistozän handelt. Nach Fossilfunden aus der Umgebung wurde später die Art Palaeoloxodon xylophagou benannt. Weil keine historischen Belege für einen Aufenthalt der Vierzig Märtyrer auf Zypern existieren, wird in der Höhle heute kein regulärer Gottesdienst mehr gefeiert. Eine Legende also, keine gesicherte Geschichte, aber eine, die zeigt, wie eng sich in Xylofagou Glaube, Erdgeschichte und Ortsidentität überschneiden.

Die Kartoffelstatue und ein Augenzwinkern

Wer in Xylofagou ankommt, kommt an ihr kaum vorbei: einer mehrere Meter hohen Kartoffelstatue aus Fiberglas, 2021 errichtet, um die Bedeutung der Kartoffelernte für die Kokkinochoria zu würdigen. Was als lokale Geste gedacht war, wurde zu einem viel fotografierten, auch online verbreiteten Motiv, mit einer gehörigen Portion Selbstironie.

Kartoffelfeld auf roter Erde in den Kokkinochoria bei Xylofagou
Die roten Felder der Kokkinochoria hinter dem Dorf

Praktisch: Anfahrt und Besuch

Xylofagou liegt an der Fernstrasse A3 zwischen Larnaka und Ayia Napa/Paralimni und lässt sich gut mit dem Mietwagen erreichen, zum Beispiel als Abstecher auf dem Weg in die Ferienregion im Osten der Insel. Genaue Fahrzeiten ab den grösseren Orten, Parkmöglichkeiten direkt am Fishing Shelter und die beste Tageszeit, um die Rückkehr der Fischerboote zu beobachten, hat GenussFinder noch nicht vor Ort geprüft und wird bei einem künftigen Besuch ergänzen.

Xylofagou zeigt, dass sich ein Umweg auch dann lohnt, wenn kein grosses, für Besucher inszeniertes Ziel am Ende wartet: rote Erde, ein kleiner Fishing Shelter, ein Wachtturm mit Aussicht und eine Legende, die mehr über Erdgeschichte erzählt, als sie ursprünglich sollte.

Urs Schlegel
Urs Schlegelhttps://genussfinder.com
Urs Schlegel ist Gründer von GenussFinder.com, dem Online-Magazin für Genuss, Lebensart und besondere Entdeckungen auf Zypern. Seit mehreren Jahren lebt er auf der Insel und verbindet persönliche Erfahrungen, kulinarische Entdeckungen und lokale Geschichten zu authentischen Einblicken in das Leben auf Zypern. Als Unternehmer und Digitalstratege unterstützt Urs mit seiner Firma WebStrategen Digital Services Ltd kleine und mittlere Unternehmen dabei, Websites, Zoho One, CRM-Systeme und Automatisierungen sinnvoll miteinander zu verbinden. Sein Ziel ist es, digitale Lösungen verständlich, bezahlbar und praxisnah nutzbar zu machen. In seiner Freizeit kocht Urs mit Leidenschaft mediterrane Gerichte und traditionelle Schweizerküche. Genau diese Verbindung aus Genuss, Alltagserfahrung und digitalem Blick prägt auch seine Beiträge auf GenussFinder.com.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel